Ich dachte gerade… deine Hand in meiner, beide weich und kalt.
Unsere Schritte brechen durch‘s Eis, wir fallen. Schneeflocken winden sich in dein Haar und du schreist. Ich will weinen, du wirst einmal tot sein, wirst einmal in alle Moleküle zerfallen und nichts von dir bleibt. Das Fallen stopft mir den Mund und die Augen. Ich will schreien. Vielleicht ist das ein Traum und wir sind immortal. Im Fallwind treibt meine Hand an meinem Auge vorbei. Eins, zwei, drei, vier, fünf. Es ist echt. Mein Gesicht bleibt ernst. Du weinst und die Tränen reißen aus deinen Augen. Ich sehe, dass dein Haar sich löst. Der Schnee schleicht sich in deinen Kragen und die Strähnen treiben im Wind davon. Wie kann Ewigkeit so ein leeres Wort sein so leer? Wenn ich daran denke… Warum habe ich den Glauben ans Jenseits verloren? Ich greife mir ins Gesicht. Meine Hände sind leer und ich schlage auf. Du schwebst wie ein Blumenschirm und driftest ab. Ich seh deine Unterröcke. Schneeflocken legen sich auf meine Lippen und um meine Nase. Du wirst nichts werden. Meine Rippen ziehen sich knackend enger. Die Haut rutscht seitlich in Falten. Dein Haar löst sich nicht mehr, es wächst. Dein Nacken sagt, ich habe dich verraten. Ich habe es nicht gemerkt. Ich habe mir nur ins Haar greifen wollen. Meine Hände sinken ein im Schnee. Sie stechen. Meine Beine sind kalt. Der Schnee schiebt sich durch meinen Nabel in den Bauch. Ich greif mit den Händen den Schnee und drücke weiche, kalte Kugeln, während meine Rippen knacken, meine Haut rutscht und der Schnee sich durch meinen Magen in die Därme drückt. Ich seh dich nicht mehr. Du wirst vielleicht 80. Das macht schon mehr als 25 %. Es ist zu eng zum Atmen und zu kalt. Ich frag mich, ob das mich entbindet.

Wegsehen vom Herbstlosen